Mittelständische Arbeitgeber haben in der Coronakrise an Popularität verloren. Doch sie können etwas dagegen tun: KMU müssen ihre Stärken klar kommunizieren und eine Arbeitgebermarke aufbauen.

Ein gutes Team ist für jedes Unternehmen erfolgsentscheidend. Das gilt auch im Mittelstand, und dort sogar ganz besonders. Doch gute Leute gibt es nicht wie Sand am Meer. Vor allem vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels wird es für deutsche KMU immer schwieriger, die richtigen Mitarbeiter zu finden.

Bewerber wollen lieber in den Konzern

Jetzt zeigt eine Studie von Trendence, dass der Mittelstand als Arbeitgeber in der Pandemie an Attraktivität verloren hat. Für den „HR Monitor“ befragt das Beratungsunternehmen jeden Monat knapp 2.000 Arbeitgeber. Das Bild ist eindeutig: Unter Akademikern, Fachkräften und Studenten haben KMU an Popularität verloren. Konzerne hingegen sind attraktiver geworden. Der ausschlaggebende Grund, so die Verfasser der Studie, sei die höhere Jobsicherheit bei Konzernen. Die sei mittlerweile sogar noch wichtiger als das Gehalt.

Quelle: Trendence

Vor allem unter Studenten haben KMU an Popularität verloren. Nur noch ein Viertel interessiert sich für mittelständische Arbeitgeber, knapp 60 Prozent bevorzugen Großkonzerne. Aber auch bei berufserfahrenen Bewerbern haben Konzerne einen deutlich höheren Stellenwert, insbesondere unter Akademikern.

Laut Trendence war bislang das Gehalt das wichtigste Kriterium bei der Arbeitgeberwahl. Seit Anfang 2020 habe sich das geändert. Jobsicherheit sei jetzt gefragt, und dabei profitierten Konzerne von gefestigten Strukturen. Das schaffe Verlässlichkeit in Krisenzeiten und genau danach sehnten sich Arbeitnehmer. Aus dem gleichen Grund würde auch der öffentliche Dienst bei Bewerbern zunehmend attraktiver.

Es gibt aber auch einen Lichtblick: Unter Schülern sind KMU in der Gunst um sieben Prozent gestiegen. Auch Startups sind mittlerweile für 23 Prozent der befragten Schüler eine Option. Vielleicht ändern sie aber ihre Meinung, wenn sie älter werden.

KMU brauchen eine Arbeitgebermarke

Es ist nicht unbedingt richtig, dass Großkonzerne wirklich höhere Jobsicherheit bieten. Konzerne arbeiten zunehmend mit Zeit- und Leiharbeitsfirmen und Verträge sind oft befristet. Es fällt ihnen außerdem leichter, einen Mitarbeiter zu ersetzen, denn der Bewerberpool ist meist deutlich größer. In der Wahrnehmung der Bewerber sind Konzerne dennoch stabilier.

KMU müssen reagieren, um im Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Dazu gehört in erster Linie, dass sie ihre Vorteile bereits bei der Stellenausschreibung klar kommunizieren.

Mittelständler können zum Beispiel mit lokaler Stabilität glänzen. Wer im Großkonzern Karriere machen will, muss flexibel sein. Bei lokalen Mittelständlern kann man hingegen oft die gesamte Karriere am gleichen Standort verbringen. Vor allem für heimatorientierte Bewerber ist das ein großer Vorteil.

KMU sollten außerdem flexible Strukturen schaffen, die Bewerbern bei entsprechender Leistung einen schnellen Aufstieg im Unternehmen ermöglichen. Das ist zum Beispiel der Grund, weshalb vor allem Familienunternehmen in der Gunst der Bewerber mit nur 20 Prozent ganz unten liegen. Zu groß ist die Sorge, dass man bei der Karriere im Vergleich zu Familienmitgliedern benachteiligt wird.

Ein weiterer Nachteil von KMU ist oft der Mangel an Trainingsmöglichkeiten. Großkonzerne haben in der Regel strukturierte interne Weiterbildungsprogramme, die den Mitarbeitern offen stehen. Um das auszugleichen, können KMU Mitarbeiter zu Fortbildungskursen anmelden oder Seminare anbieten.

Im besten Fall bauen sich KMU durch solche Maßnahmen über mehrere Jahre hinweg eine eigene Arbeitgebermarke auf. Dabei sollten sie ihre Vorzüge für Arbeitnehmer transparent in den Vordergrund stellen. Besonders für jüngere Bewerber bieten sich dazu auch soziale Medien und andere Online-Kanäle an. Der deutsche Mittelstand hat einiges zu bieten, auch als Arbeitgeber. Das muss allerdings klar kommuniziert werden.