Sowohl für die Ermittlung der optimalen Kredithöhe als auch für die Festlegung der optimalen Laufzeit, sollten Sie eine detaillierte Liquiditätsplanung aufstellen. Wie das geht, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Wenn Sie einen Kredit beantragen, dann sollten Sie einen Liquiditätsplan erstellen. Zum einen möchte die Bank genau wissen, ob und wie Sie den Kredit zurückzahlen können. Zum anderen wollen auch Sie wissen, welche Zins- und Tilgungszahlungen Sie sich überhaupt leisten können. Ein Liquiditätsplan kann Ihnen bei beidem helfen.

Wer keine Liquiditätsplanung aufstellt, hat nicht nur schlechtere Chancen beim Kreditantrag, sondern läuft auch Gefahr, später in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Deshalb sollten Sie sich die Zeit dafür nehmen, auch wenn Finanzplanung ein trockenes Thema sein mag.

Liquiditätsplanung: Nur liquiditätswirksame Geldflüsse berücksichtigen

Das Ziel der Liquiditätsplanung ist es, die zukünftige Zahlungsfähigkeit des Unternehmens einzuschätzen. Dazu müssen alle erwarteten Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge innerhalb der Planungsperiode gegenübergestellt werden.

Anders als bei der Gewinn-und-Verlust-Rechnung werden bei der Liquiditätsplanung nur liquiditätswirksame Geldflüsse berücksichtigt, auch Cashflow genannt. Positionen wie Abschreibungen oder Rückstellungen werden hier nicht einbezogen, da sie sich nicht auf den Bestand der liquiden Mittel auswirken.

Einen detaillierten Liquiditätsplan können Sie in fünf Schritten aufstellen:

Schritt 1: Planungszeitraum festlegen

Zunächst müssen Sie den Planungszeitraum festlegen. Da Sie mithilfe des Liquiditätsplanes Ihre maximal möglichen Zins- und Tilgungsverpflichtungen einschätzen wollen, sollte der Planungshorizont zumindest der Kreditlaufzeit entsprechen.

Schritt 2: Bestandsaufnahme aller liquider Mittel

Anschließend erfolgt die Bestandsaufnahme aller liquider Mittel. Dazu gehören vor allem der Barbestand und sämtliche Kontostände des Unternehmens.

Schritt 3: Einzahlungen ermitteln

Im nächsten Schritt müssen Sie alle erwarteten Einzahlungen innerhalb der festgelegten Periode ermitteln und zu Ihrem Bestand an liquiden Mitteln hinzuaddieren.

Zu den voraussichtlichen Zahlungseingängen gehören sämtliche Einzahlungen aus Verkäufen, Umsatzsteuer-Einzahlungen und sonstige Einzahlungen wie beispielsweise Zinseinzahlungen, Anlagenverkäufe, Kreditaufnahmen, Erstattungen (z.B. Steuern) und Eigenkapitaleinlagen.

Falls Sie durch die Aufnahme des Kredites zusätzliche Einzahlungen generieren können, zum Beispiel, weil ein cashflow-positives Projekt schnell fertiggestellt werden kann, dann sollten Sie diese Einzahlungen ebenfalls mit einbeziehen.

Schritt 4: Auszahlungen abziehen

Nachdem Sie alle verfügbaren Mittel berechnet haben, müssen Sie die im Planungszeitraum anfallenden Auszahlungen abziehen. Dazu gehören sämtliche Auszahlungen Ihres Unternehmens. Sie sollten auch einen großzügigen Puffer für Sonderzahlungen einplanen.

Falls Sie den Kredit für die Finanzierung eines bestimmten Projektes nutzen wollen, dann sollten Sie auch die mit dem Projekt verbundenen Auszahlungen mit einkalkulieren.

Schritt 5: Liquiditätssituation und Tilgungsplan abstimmen

Der Saldo aus dem Kassenbestand und den Einzahlungen abzüglich der Auszahlungen ergibt die verfügbare Liquidität im Planungszeitraum. An dieser Zahl können Sie ablesen, welche Zins- und Tilgungskosten Sie mit Ihren verfügbaren Geldmitteln insgesamt leisten können.

Hierbei müssen Sie allerdings auch den Zeitpunkt der Einzahlungen und Auszahlungen berücksichtigen. Haben Sie jeden Monat ausreichend Liquidität zu Kredittilgung zur Verfügung? Falls ja, dann kommt für Sie ein Ratenkredit in Frage.

Falls Sie aber für ein ganzes Jahr keine Einzahlungen generieren und dann am Ende des Jahres eine einzige große Zahlung ansteht, dann ist ein endfälliges Darlehen für Sie unter Umständen besser geeignet. Die folgenden Fehler treten typischerweise bei der Erstellung einer Liquiditätsplanung auf:

Überschätzung der Einzahlungen und Unterschätzung der Auszahlungen  

Da Sie nicht genau wissen, welche Ein- und Auszahlungen wann und in welcher Höhe anfallen, müssen Sie hierzu Schätzungen vornehmen. Dabei sollten Sie mit kaufmännischer Vorsicht vorgehen, sprich, lieber zu niedrig schätzen, als zu hoch. Es kann helfen, die Liquiditätsplanung mit einer dritten Person zu diskutieren, die einen neutralen Blick auf Ihre Zahlen liefern kann.

Steuern vergessen

Sowohl die Umsatzsteuer als auch die Vorsteuer sollten im Liquiditätsplan jeweils einen eigenen Posten haben. Das Geld wird schließlich tatsächlich ans Finanzamt überwiesen.

Unvollständige Planung

Der Liquiditätsplan sollte wirklich ALLE Ein- und Auszahlungen umfassen. Auch unscheinbare Posten müssen berücksichtigt werden, denn diese können in der Summe schnell zu einem großen Posten werden.

Zahlungsziele nicht berücksichtigt

Nur weil Sie eine Rechnung schreiben, haben Sie noch lange kein Geld auf dem Konto. Genauso fließt Geld auch nicht ab, nur weil Sie eine Rechnung erhalten. Rechnungen haben immer ein Zahlungsziel, das sollten Sie bei der Planung berücksichtigen. Außerdem besteht auch die Gefahr, dass ein Kunde mal nicht zahlt. Auch dafür sollten Sie ausreichend Rücklagen einplanen. Eine gute Schätzung dazu können Sie aufgrund des bisherigen Zahlungsverhaltens Ihrer Kunden treffen.

Privatentnahmen vergessen              

Auszahlungen an Sie selbst, zum Beispiel Ihr Gehalt, dürfen bei der Planung nicht vergessen werden. Insbesondere bei Kleinunternehmen sind Geschäftsausgaben auch oft mit den privaten Ausgaben des Unternehmers verbunden. Hier sollte man am besten eine klare Trennlinie ziehen – und sich dann auch daran halten.