“Die Zukunft hat bereits begonnen. Mit uns”, heißt es auf der Webseite der MVV Energie AG. Das Energieunternehmen aus der Metropolregion Rhein-Neckar unterstützt mit knapp 6.100 Mitarbeitern Unternehmen jeder Größe beim Ausbau erneuerbarer Energien, der Stärkung der Energieeffizienz sowie der Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen.

Da Energieeffizienz auch in mittelständischen Betrieben an Bedeutung gewinnt, haben wir uns mit Till Henning Böder unterhalten, dem Abteilungsleiter Kundenlösungen bei MVV. Herr Böder ist mit seiner täglichen Arbeit direkt am Puls des Geschehens und versteht die Bedürfnisse und Potenziale deutscher Mittelständler. Im Interview geht es um Energieeffizienz, Strategieplanung, die Energiewende und Fördermöglichkeiten.

Till Henning Böder

MVV setzt sich für den Ausbau erneuerbarer Energien und die Stärkung der Energieeffizienz in Deutschland ein. Wo sollten mittelständische Betriebe in puncto Energieeffizienz eigentlich anfangen?

Viele Unternehmen scheuen das Thema Energieeffizienz, denn sie fürchten die Komplexität. Das ist auf den ersten Blick verständlich, da die Unternehmen im Mittelstandssegment selten spezialisierte Funktionen im Unternehmen haben, die das Fachwissen bündeln. Es sind ja zum Teil für Unternehmen ganz neue Disziplinen und Prozesse, wie zum Beispiel Elektromobilität,  Photovoltaik oder vernetztes Energiemanagement. Woher sollten sie Expertise in diesen Bereichen haben? Dadurch bleibt ein enormes ökonomisches und ökologisches Potenzial brach liegen.

Auf den zweiten Blick ist es eigentlich ganz simpel: Der erste Schritt heißt messen und analysieren. So bekommt man einen Überblick der eigenen Anlagen: Was haben wir? Was brauchen wir? Was können wir noch verbessern?

Nicht selten wird das Thema Energie erst bei akutem Handlungsdruck bearbeitet – unter hohem Zeitdruck, sodass die Ergebnisse der Maßnahmen oft hinter den Erwartungen des Managements zurückbleiben.  Wählt ein Unternehmen stattdessen einen ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz, profitiert es von einer deutlich  höheren Wirtschaftlichkeit und kann sich häufig sogar einen Wettbewerbsvorteil sichern. So können die Maßnahmen zum einen darauf abzielen, die technischen Anlagen, wie zum Beispiel Produktionsmaschinen, effizienter einzusetzen. Zum anderen können sie auf eine effizientere und günstigere Energieerzeugung bzw. -versorgung fokussieren.

Wie können mittelständische Unternehmen die Ergebnisse dieser Analyse umsetzen?

Hat man sich erstmal einen Überblick verschafft und die Potenziale ermittelt, ist auch schnell klar, wie die zukünftige Energiestrategie aussehen könnte und mit welchen konkreten Maßnahmen ein Unternehmen starten sollte. Hier empfiehlt es sich, für das “Projekt Energieeffizienz” einen Projektplan zu erstellen, in dem Zeithorizonte, Meilensteine und Budget-Einsatz eingearbeitet sind.  

Die Herausforderung bei dieser Strategieplanung ist es, nicht nur die Vergangenheit zu betrachten, sondern vor allem auch in die Zukunft zu schauen. Eine Firma, die expandiert und beispielsweise eine weitere Produktionshalle oder einen Elektrofuhrpark plant, wird in Zukunft einen neuen Energiebedarf entwickeln. Es geht also darum, ein ganzheitliches und vorausschauendes Energie-Konzept zu entwickeln.

Der Energiemarkt in Deutschland ist stark reguliert und teilweise hoch komplex, da verlieren Unternehmen schnell den Überblick und beziehen einen gewichtigen Teil der Energieplanung nicht in die Konzeption mit ein. Das hat zur Folge, dass Vergünstigungen und Förderungen nicht optimal ausgeschöpft werden oder Nachzahlungen fällig werden aufgrund unzureichender Datenmeldung. Um solche Kosten zu vermeiden, ist es für Unternehmen ratsam, sich im Rahmen ihres Energiekonzeptes mit den regulatorischen Anforderungen zu beschäftigen.

Welchen Beitrag können digitale Technologien in mittelständischen Betrieben zur Steigerung der Energieeffizienz leisten?

60 bis 70 Prozent aller Betriebe blicken in puncto Energie noch immer in den Rückspiegel. Sie sammeln vergangenheitsbezogene Daten, die ihnen einen Überblick über die letzten Wochen und Monate geben. Anhand dieser “alten“ Daten müssen Manager dann Entscheidungen treffen.

Digitale Technologien eröffnen Unternehmen eine ganz andere Sicht – eine Sicht in die Gegenwart und Zukunft, indem sie Daten in Echtzeit zur Verfügung stellen und Prognosen liefern. Manager erhalten dadurch fundierte Handlungsoptionen und müssen sich nicht mehr auf wenig aussagekräftige veraltete Daten stützen.

Ein gutes Beispiel dafür sind intelligente Messsysteme, sogenannte Smart Meter. Sie übertragen sämtliche Daten digital und in Echtzeit, wodurch die Systeme automatisch das Lastenmanagement optimieren können. Das System erkennt beispielsweise eigenständig, dass in einer Stunde die Sonne aufgeht und schaltet die Heizung aus. Oder es erkennt, wenn der Druckluftspeicher voll ist, und fährt dann den Kompressor herunter.

Digitale Systeme ermöglichen somit ein zukunftsgerichtetes Energiemanagement. Sie erkennen Potenziale und steuern bzw. regeln Anlagen, in Echtzeit und in Antizipation zukünftiger Entwicklungen.

Sie sagen, 60 bis 70 Prozent blicken in den Rückspiegel. Wo liegen die Herausforderungen, die mittelständischen Unternehmen den Übergang in die neue Welt erschweren?

Zum einen ist das Thema Energie bei vielen Mittelständlern ein Randthema, da es zu weit vom Kerngeschäft der Unternehmen entfernt ist. Oft gibt es keine dedizierte Funktion in Unternehmen, die sich primär darum kümmert. Stattdessen nimmt sich gezwungenermaßen ein Mitarbeiter oder in manchen Fällen sogar der Geschäftsführer nebenher dem Thema Energie an. Da ist es klar, dass Energieversorgung und -effizienz nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie benötigen, um Potenziale auch wirklich zu nutzen. Andererseits existieren noch immer Vorbehalte gegenüber digitalen Technologien, die allerdings schnell ausgeräumt werden können, wenn die Vorteile einmal klar sind.

Ein weiteres Kernthema der MVV sind erneuerbare Energien. Sollten sich mittelständische Betriebe stärker bei der Energiewende engagieren?

Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Mit dem stufenweisen Ausstieg aus Kernenergie, Kohle und bald auch Gas werden erneuerbare Energien in den nächsten Jahren massiv an Fahrt aufnehmen. Für die Umwelt und die Zukunft des Planeten sind erneuerbare Energien sehr wichtig. Ich denke, das würden die meisten Menschen so unterschreiben. Deutschland hat hierbei eine Vorreiterrolle inne und auch Unternehmen sollten und müssen dazu einen Beitrag leisten.

Man muss das Thema aber auch realistisch sehen: Die Energiewende kostet Geld. Aus ökologischen Gründen alleine würden die meisten Unternehmen nicht in die Energiewende investieren wollen. Auch wenn sich aktuell eine Verschiebung feststellen lässt, spielt auch die Wirtschaftlichkeit  der Anlage immer noch eine wesentliche Rolle. Es gibt jedoch immer mehr Unternehmen, die das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit fest in der Unternehmensstrategie und ihren Unternehmenswerten verankern – sozusagen als Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb um Kunden, Marktanteile und nicht zuletzt auch um qualifiziertes Fachpersonal.

Nehmen Sie zum Beispiel die Stahlindustrie: Hier wird noch immer überwiegend mit Kohlestaub produziert. Da das für die Umwelt schädlich ist, suchen Stahlproduzenten händeringend nach alternativen Produktionsmethoden. Wasserstoff könnte beispielsweise in Zukunft eine Alternative sein. Stahlproduzenten, die als erstes auf eine andere Produktionsmethode umstellen, werden im Vertrieb dann einen großen Vorteil haben.

Ein anderes Beispiel ist Aldi: Die Firma hat flächendeckend Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern ihrer Filialen installiert und stellte anschließend kostenlose Ladesäulen auf ihren Kundenparkplätzen bereit. Sie haben ihren Strom also an ihre Kunden verschenkt. Gewonnen haben sie dadurch die Reputation des Energie-Vorreiters. In Zukunft werden andere nachziehen und was bei Aldi heute für Innovation steht, wird dann der Standard werden. Sprich, wer in Zukunft keinen Ökostrom auf Kundenparkplätzen anbietet, verliert an Wettbewerbsfähigkeit.

Die Energiewende kostet Geld. Können sich kleine Betriebe das überhaupt leisten?

Die Energiewende kostet Geld und wird auch in Zukunft Geld kosten. Aber: Das Nichtstun kostet mit Sicherheit auf mittlere und längere Sicht mehr Geld. Es gibt bereits heute eine CO2-Steuer, und die wird in Zukunft erhöht werden. Der politische Wille geht ganz klar in Richtung Umweltschutz, und es ist mehr als unwahrscheinlich, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändern wird. Zu Recht. Im Gegenteil, die Kosten für nicht-umweltfreundliche Energie werden steigen. Unternehmen haben das bereits erkannt: Die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen ist so hoch wie nie. Der Umweltgedanke wird immer wichtiger, in der Politik, bei Konsumenten und in Unternehmen. Firmen sind daher gut beraten, jetzt mit ihrer persönlichen Energiewende zu starten, Förderungen mitzunehmen und langfristig Kosten zu sparen durch effizienteren Energieeinsatz und -einkauf.

Noch ein Wort zur Finanzierung: Wir vermitteln bei Teylor unter anderem KfW-Förderkredite. Sind sie mit den Förderpaketen des Bundes und der Länder prinzipiell zufrieden oder würden Sie sich mehr Unterstützung bei der Finanzierung innovativer Energieprojekte wünschen?

Gut ist, dass es viele solcher Förderprogramme gibt. Die Schwierigkeit ist, dass viele Unternehmen den Überblick verloren haben. Die Programme sind zum Teil so komplex, dass Firmen eine separate Beratung benötigen. Davor schrecken viele Firmen zurück. Sie beantragen lieber gar keine Fördermittel – und verpassen so finanzielle Unterstützung. Das hat man zumindest beim Thema Ladeinfrastruktur vereinfacht. Hier gibt es sehr gute Programme, die einfach gestaltet sind. Vermutlich auch, weil die Umstellung vom Verbrennungs- auf den Elektromotor in Deutschland ein politisches Thema ist.

Aber Förderung hin oder her: Es gibt vielfältige Finanzierungswege wie beispielsweise Contracting-Modelle, Pacht-Modelle oder Firmenkredite. Egal ob mit oder ohne staatliche Unterstützung,  kein Unternehmen kann die Energiewende aus Finanzierungsgründen ignorieren. Und: Die Energiewende ist ein Zukunftsprojekt, das deutlich mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringt. Mittelständische Betriebe und die Gesellschaft allgemein können es sich nicht mehr leisten, beim Thema Energie nur auf harte Zahlen zu schauen.

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